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Das Glockenspiel
Um 9, 11, 13, 15 und 17 Uhr ertönt vom Westturm des Rathauses das Glockenspiel zum Lied "Mein Duderstadt am Brehmestrand des Eichsfelds Kron´ und Zier, es hat sein Herz dir zugewandt, wer je geweilt in dir...". Während des Spiels öffnet sich die blau-gelbe Turmluke und der "Anreischke" begrüßt aus seinem Turmquartier die Bürger und Gäste unserer Stadt. Um 19 Uhr verneigt sich dann der "Anreischke" zum Abschluss des Tages zur musikalischen Begleitung von "Kein schöner Land".
Das Urbild der bärtigen Figur ist die sagenumwobene Gestalt des Festungsbaumeisters Andreas, der im 15./16.Jh. von Stadt zu Stadt zog, um mit seinen Bauleuten Mauern und Gräben auszubessern. Im Jahre 1506 beauftragte ihn der Duderstädter Rat mit dem Bau des noch heute erhaltenen, über 3 km langen Ringwalles. Zu den Arbeiten an der gewaltigen Befestigungsanlage, die auch dem Schutz der Landbevölkerung dienen sollte, wurden die Bauern der umliegenden Ratsdörfer zu Hand- und Spanndienste herangezogen.
Meister Andreas trieb die Fronbauern zur Arbeit an und machte sich dadurch sehr unbeliebt. Der Zorn der Bauern richtete sich bald auch gegen seine Auftraggeber, die Duderstädter Bürger. Sie hängten ihnen den Namen des Aufsehers (Andreas = plattdeutsch Anreis) an und nannten sie fortan nur noch die „Anreischken“.
Die Duderstädter, über die Beschimpfung nicht gerade erfreut, ließen den Aufseher in Holz nachbilden, stellten die Büste im Turm des Steintores auf und koppelten sie mit einem Uhrwerk. Beim Stundenschlag trat die skurrile Figur heraus und nickte den zum Markt kommenden Bauern zu. So wurden diese immer wieder an den unbeliebten Aufseher Andreas und ihre Abhängigkeit von der Stadt erinnert. 
Die listigen Bauern wußten es jedoch bald so einzurichten, daß sie nicht mehr zur vollen Stunde am Tore anlangten. Sie stellten sich vor den Turm und riefen, um die Bürger zu hänseln, hinauf: „Anreis, kumm erut met en Speite, et sit en Itschke in er Goten, stek in dot!“ (Andreas, komm heraus mit deinem Spieß, es sitzt ein Frosch im Wallgraben, stich ihn tot!)
So ging es bis zum Jahre 1829, in welchem das alte Stadttor niedergerissen und die Figur ins Rathaus gebracht wurde.
Das Glockenspiel und die gelungene Nachbildung des Anreischken halten so die Erinnerung an längst verklungene Zeiten wach.
